Die gute Nachricht zuerst: Der Teupitzer See ist ziemlich gesund[1], die Wasserqualität ist gut und man kann – solange nicht im Hochsommer Blaualgen auftreten – ohne Bedenken baden.
Das berichtete der Gewässerökologe Jens Meisel bei der gut besuchten Bürgerversammlung am 14.07. 2025. Sein Institut hat im Jahr 2024 umfangreiche Untersuchungen im Teupitzer, Schweriner und im Mielitzsee durchgeführt. Dabei wurden Seewasser, Sedimente, Biologie und Wasserhaushalt berücksichtigt.
Der Teupitzer See hat relativ starke Zuflüsse, sodass das Wasser des flachen Sees (durchschnittliche Tiefe 3,5 m, Maximum 8,25 m) in weniger als 2 Jahren jeweils komplett ausgetauscht wird. Das wirkt sich positiv auf die Wasserqualität aus. Gleichwohl wurde bei regelmäßigen Messungen von 2011 bis 2024 offenbar eine geringfügige Verschlechterung registriert.[2]
Entscheidend für die Wasserqualität ist die „Trophie“, letztlich ein Maß für den Nährstoffgehalt des Sees. Wichtiger Indikator dafür ist der Anteil an Phosphor – je weniger, desto besser. Davon sind im Wasser des Teupitzer Sees durchschnittlich ca. 1.500 kg gelöst, dazu kommt eine erhebliche Menge in den Sedimenten. Interessanter Fakt für uns Insulaner: Der Phosphor-Eintrag durch das Verrieseln des Inhalts von Klärgruben auf der Insel wird auf ganze 14 kg (!) im Jahr geschätzt, also weniger als 1%. Einerseits ist das natürlich eine gute Nachricht, andererseits wird es wohl die Motivation der Gemeinde, die Insel endlich an die Kanalisation anzuschließen, nicht gerade steigern. Aus gewässerökologischer Sicht ist der Anschluss gleichwohl sinnvoll und wünschenswert.
Eine unbekannte Größe ist die Belastung durch Abwässer aus Sportbooten. Das Problem: die nächste funktionierende Abpumpstation befindet sich ca. 3,5 Bootfahrstunden entfernt an der Dahme in Königs Wusterhausen. (Wenn ich mal raten soll: Aus illegal abgepumpten Fäkalientanks der Hausboote kommen deutlich mehr Schadstoffe ins Wasser als von der Insel.) Zusätzliche Abpumpstationen wären sicher eine effektive und preiswerte Maßnahme zur Verbesserung des Wasserqualität.
Immerhin 11% des Phosphors kommt durch die südlichen Zuflüsse in den See, über die diversen Mühlgräben. Und hier setzt der Hauptvorschlag des Gewässerökologen zur schrittweisen Verbesserung (bzw. zum Aufhalten der leichten Verschlechterung) ein. Kurz: Wiedervernässung. Südlich des Sees soll mehr Wasser länger im Boden gehalten werden, damit weniger Phosphor ausgespült wird und in den See gerät. Das bedeutet, dass zum einen die Entwässerungsgräben zurückgebaut werden, die seinerzeit für deutlich größere Niederschlagsmengen konzipiert wurden, als wir sie heute haben. Zum anderen kann die vorhandene aber nicht mehr funktionstüchtige Stauanlage am Tornower See (Bullgraben) reaktiviert werden. Im Tornower See kann außerdem der Phosphorgehalt durch Einbringen sogenannter Fällmittel aktiv verringert werden.
Die lästigen Wasserpflanzen, die sich gerne mal um die Propeller wickeln, sind übrigens für die Wasserqualität eher gut als schlecht; denn sie stehen mit den Schwebe-Algen in Konkurrenz, die den See trüb (und im Fall von Blaualgen auch gesundheitsschädlich) machen,
Ein Teilnehmer (übrigens ein Insulaner) wies in der darauf folgenden Diskussion darauf hin, dass wohl auch eine erhebliche Menge Weltkriegsmunition im See versenkt wurde, was sicher einen Einfluss unter anderem auf die Phosphor-Konzentration hat. Ein anderer fragte nach der Wirkung von Stickstoffverbindungen (worauf es keine klare Antwort gab). Dann ging es um die Konflikte, die entstehen, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen weniger stark entwässert werden. Ein Angler machte sich Sorgen um den Zander, der im allzu nährstoffarmen klaren Wasser nicht überleben bzw. nicht laichen könne. (Antwort: Das stimmt, aber bis die Maßnahmen greifen, dauert es Jahrzehnte und auch dann wird der Teupitzer See nicht so klar wie ein Bergsee). Der Rückgang des Röhrichts wurde von Beiträgen aus dem Publikum zum einen auf Graugänse, zum anderen auf den Wellenschlag schneller Motorboote zurückgeführt.
Insgesamt eine informative Veranstaltung mit einer ruhigen und sachlichen Diskussion.
[1] Was man leider bei Weitem nicht von allen Seen in Berlin-Brandenburg sagen kann, wie u.a. dieser Bericht des RBB zeigt: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/07/gewaesser-berlin-brandenburg-wasserqualitaet-klimawandel.html
[2] Persönlich zweifle ich ein wenig daran. Zum einen war diese Tendenz m.E. aus den präsentierten Balkendiagrammen nur mit gutem Willen herauszulesen. Zum anderen war 2011 (die Älteren werden sich erinnern …) extrem regenreich, was der Wasserqualität vermutlich zuträglich war; jedenfalls war 2011 besonders wenig Phosphor im Wasser. Die Zeitreihe 2011-2024 beginnt also an einem ungewöhnlichen Tiefpunkt der Belastung.